Frühjahrssynode 2026

Am Donnerstag, 21. und Freitag, 22. Mai 2026, kommt die Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche in der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden zu ihrer Frühjahrstagung zusammen.


Livestream

Die Tagung wurde per Livestream übertragen. Aufgezeichnete Livestreams sind bei YouTube zu sehen.


Berichte vom 1. Synodentag - 21. Mai 2026

Präses Harm Adam Fotos: Ulf Preuß)

Nach einem Abendmahlsgottesdienst in der Schweizer Kirche hat Präses Harm Adam die Tagung der Gesamtsynode in der Johannes a Lasco Bibliothek eröffnet.

Den Gottesdienst gesalteten Synodale aus dem Synodalverband Emsland-Osnabrück.

=> Zum aufgezeichneten Livestream des Gottesdienstes


Bericht des Moderamens
Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden

Die Zukunft der Gottesdienste

Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden hat eine offene Debatte über die Zukunft der Gottesdienste gefordert. In ihrem Bericht vor der Gesamtsynode in Emden sagte sie, der Sonntagsgottesdienst sei nach reformiertem Verständnis zwar „das Zentrum christlicher Gemeinde“, dieser Anspruch werde jedoch „längst nicht mehr überall sichtbar“. Das betreffe sowohl die Besucherzahlen als auch „Lebendigkeit und Qualität der Gottesdienste“. Über diese Entwicklung werde jedoch oft nicht offen gesprochen.

Viele Gemeinden hielten trotz rückläufiger Teilnahme an der regelmäßigen Feier in der eigenen Kirche fest. Gottesdienste, die nur noch von einer „immer älter werdenden und ständig schrumpfenden Kerngemeinde“ besucht würden, trügen jedoch kaum dazu bei, neue Zielgruppen anzusprechen, sagte Bei der Wieden. Wenn dieser Entwicklung nicht entgegengewirkt werde, könne das gottesdienstliche Leben „an vielen Orten allmählich verschwinden“. Zugleich betonte sie, dass viele Menschen Gottesdienste weiterhin als „positiv und bewegend“ erlebten.

Als Reaktion will sich nun der Zukunftsausschuss gemeinsam mit dem Ausschuss für Mitgliederorientierung und Öffentlichkeitsarbeit intensiver mit dem Thema befassen. Dabei soll unter anderem geklärt werden, wie Qualität und Attraktivität von Gottesdiensten gesteigert werden können und ob die Vielzahl sonntäglicher Angebote ihrer Qualität möglicherweise im Weg steht. Geplant sind zudem neue Modelle gemeinsamer Gottesdienste, eine stärkere regionale Kirchenmusik mit mehr popularmusikalischen Elementen sowie neue liturgische und musikalische Formen. Ziel sei es, Gottesdienste wieder zu Orten zu machen, „an denen Menschen Kraft schöpfen für ihr Leben“ und Gemeinschaft erfahren.

Neue Strukturen schaffen neuen Freiraum

Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden hat angesichts tiefgreifender Veränderungen in Kirche und Gesellschaft mehr Mut zu Reformen und theologischer Profilbildung gefordert. In ihrem Bericht vor der Gesamtsynode in Emden sagte sie, Gemeinden und Kirche seien herausgefordert, „eine klare Position zu entwickeln – auf der Grundlage von Bibel und Bekenntnis“. Zugleich warnte sie davor, sich in Verwaltungsaufgaben und überkommenen Strukturen zu verlieren. Ziel der laufenden Strukturreformen sei es, Gemeinden zu entlasten, damit sie „wieder Freiräume für die Beschäftigung mit theologischen und gesellschaftlichen Fragen finden“.

Bei der Wieden räumte ein, dass viele Veränderungen mit Unsicherheit und Erschöpfung verbunden seien. Es brauche jedoch „mehr Zuversicht und Vertrauen“. Die Kirche dürfe Entwicklungen nicht schönreden, könne aber auch nicht in einer Haltung verharren nach dem Motto: „Egal was sich verändert, wir machen weiter.“ Kirche lebe vom Auftrag Jesu: „Geht hin zu den Menschen.“

Die Kirchenpräsidentin verwies auf Reformen der vergangenen Jahre, darunter neue Finanz- und Strukturmodelle, Änderungen im Pfarrdienstrecht und Maßnahmen zur Entlastung der Gemeinden. Durch zahlreiche Ruhestände werde der Veränderungsdruck nun deutlich spürbar.

Als nächste Schritte kündigte Bei der Wieden an, die Neukonzeption des Pfarrberufs und ein neues Ämtergesetz intensiver mit Gemeinden und Regionen zu beraten. Die ursprünglich geplanten Beschlüsse sollen deshalb auf die Frühjahrssynode 2027 verschoben werden. Zugleich will die Kirchenleitung bereits im Herbst einen Erprobungsrahmen für interessierte Gemeinden schaffen. Unterstützt werden sollen die Prozesse zudem durch eine neue Pfarrstelle für Strukturentwicklung sowie zusätzliche juristische Beratung.

 

Antisemitismus: Modellveranstaltung beim ev. Gymnasium Nordhorn

Mit „großer Besorgnis“ blickt Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden auf den wachsenden Antisemitismus in Deutschland. In ihrem Bericht vor der Gesamtsynode in Emden betonte sie, die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und „der Blick auf den Reichtum jüdischen Lebens in Deutschland“ müssten besonders bei jungen Menschen mehr Raum erhalten.

Der Ausschuss für das christlich-jüdische Gespräch habe deshalb unter dem Titel „Miteinander gegen Hass und Hetze“ eine Modellveranstaltung für das evangelische Gymnasium Nordhorn entwickelt. Dabei solle auch der Nahostkonflikt „sensibel und differenziert“ thematisiert werden, um Spannungen aufzuzeigen und Wege zu einem respektvollen Miteinander zu eröffnen.

Als nächsten Schritt will die Landeskirche solche Bildungs- und Begegnungsformate künftig auf weitere Gemeinden und Bildungseinrichtungen im Bereich der Reformierten Kirche übertragen und gezielt fördern.


Synode diskutiert Zukunft des Pfarrberufs und Entwurf des Ämtergesetzes

Die Gesamtsynode hat die Tagesordnungspunkte „Zeiterfassung und Qualität im Pfarrberuf“ sowie „Zwischenstand zum Ämtergesetz“ gemeinsam beraten. Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden warb dafür, den Pfarrberuf zu modernisieren und von nicht theologischen Aufgaben zu entlasten. Ziel sei eine Steigerung von Qualität und Zufriedenheit. Dabei müssten auch Fragen des Gesundheitsschutzes sowie der Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärker berücksichtigt werden.

Vizepräsident Helge Johr

Vizepräsident Helge Johr berichtete über die Beratung des vor einem halben Jahr vorgestellten Ämtergesetzes in Regionalkonferenzen. Dieser Gesetzentwurf sieht vor, dass Kirchengemeinden in größeren Verbünden einen Teil ihrer Pfarrstellen in multiprofessionelle Teams umwandeln können. So könnten etwa pädagogische oder kirchenmusikalische Fachkräfte gemeinsam mit Pastorinnen und Pastoren gleichberechtigt Aufgaben wahrnehmen. Johr sagte: „Teams machen die Arbeit besser.“ Er stellte für alle Synodalverbände ein Berechnungsmodell vor, das aufzeigt, wie viele Gemeinden einen gemeinsamen Verbund bilden könnten und wie viele Personalstellen diesem zur Verfügung stünden.

In der Synodendebatte wurde deutlich, dass in der weiteren Diskussion des Gesetzes noch Fragen geklärt werden müssten, etwa welche Aufgaben zu den Kernaufgaben von Theologinnen und Theologen gehören.

Zum Abschluss des Tagesordnungspunktes entschied die Synode, den Beschluss über das Ämtergesetz um ein halbes Jahr zu verschieben. Es soll nun im Mai 2027 verabschiedet werden. Für Kirchengemeinden, die sich bereits vorher im Sinne dieses Gesetzes zusammenschließen wollten, solle bei der Herbstsynode eine Übergangsregelung geschaffen werden.

Die Kirchenpräsidentin rief zu einer aktiven Begleitung der anstehenden Veränderungen auf. „Es braucht die Gemeinschaft der Kirche“, sagte Bei der Wieden. Die Diskussion dürfe nicht nur auf gesamtsynodaler Ebene geführt werden.

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